Was lange währt, wird endlich gut! Oder?

Nun sind beinahe zwei Jahre nach dem letzten Beitrag vergangen. Ich sitze vor meinem Laptop und überlege, was ich euch mitteilen möchte. Die Kopfhörer die ich mir gerade auf die Ohren gesetzt habe und die vor sich hin plänkelnde Musik stören mich, ist der Inhalt meines Kopf schon unruhig und chaotisch genug, da bedarf es keinem weiteren Input mittels Gesänge, die mich nur noch mehr vom wesentlichen abschweifen lassen.

Häufig war ich an dem Punkt, auch wenn es oft nur mental war, diese Seite und diese Art, Dinge die mich bewegen nach außen bringen zu wollen, wieder aufleben zu lassen. Hatte ich doch immer das Gefühl, dass ich besser schreiben als verbalisieren könne. Einen Moment später überkam mich jedoch jedesmal das Gefühl oder gar die Unsicherheit, was und wieviel ich nach außen bringen möchte.

In den letzen Monaten hat sich dermaßen viel getan, retroperspektivisch gesehen war es so wahnsinnig viel, dass ich mir unschlüssig bin, an welchem Punkt ich anfangen soll. War ich doch über einen langen Zeitraum sehr Instagram aktiv und habe diverse Dinge, Situationen, Momente und Emotionen mit der sozialen Medienwelt geteilt, doch plötzlich war es irgendwie anders. Plötzlichen haben sich die Prioritäten gewandelt, kurz um, die Sicht auf diese soziale Medienwelt hat sich geändert.

War es mir vorher, naja zugegebener maßen nicht immer, jedoch häufig egal, welche eventuellen Konsequenzen mein „transparentes Leben“ auf Social Media haben könnte, egal, was der ein oder andere über meine Ansichten denken könnte, so bin ich doch ein klein wenig sensibler geworden und frage mich „will ich dieses oder gar jenes, mit, mir überwiegend, fremden Menschen teilen?“.

Ich ertappe mich dann dabei, in gewissen Denkstrukturen verheddert zu sein und komme schlussendlich zu dem Punkt, das Dokumentationen gucken auf YouTube nun genau das sind was ich brauche, irgendetwas unproduktives machen, nur bloß nicht weiter mit sich selbst auseinandersetzen. Super Idee Jule, Bravo!

Habe ich doch so unendlich viele Ideen in meinem Kopf, die ich gern umsetzen möchte, doch leider finde ich immer wieder einen Grund, dies nicht zu tun. Die Ausrede, „man müsse ja zu viel arbeiten und hätte danach nicht mehr die Kraft und Lust sich hinzusetzen und ein paar Zeilen nieder zu schreiben“, kommt mir persönlich immer sehr gelegen. Je länger ich hier sitze und versuche nachzudenken (Danke lieber Saugroboter, dass du genau jetzt, wo ich hier sitze und versuche etwas sinnvolles niederzuschreiben, lauthals durchs Wohnzimmer fährst) – HA, großartig, wieder etwas worauf ich mich ausruhen könnte, erneut ein Grund, einfach das kleine X rechts oben in der Ecke zu drücken und somit vor mir selbst zu rechtfertigen, „dass es heute wieder einmal nicht geklappt hat und ich morgen vielleicht, oder übermorgen vielleicht nochmal einen Versuch starte“.

Also, nochmal.

Je länger ich hier sitze und versuche nachzudenken, desto mehr überkommt mich das Gefühl, dass ich und meine, mit Sicherheit unbegründeten, Ängste das eigentliche Problem darstellen. Wow, okay, dass war abzusehen, an wem soll es sonst liegen? Nun gut, immerhin haben wir zur Abwechslung grad eine Runde Selbstreflexion betrieben, für den Anfang gar nicht so übel, oder? Wie oben bereits genannt, schwirren mir häufig Zweifel durch den Kopf, doch wovor habe ich tatsächlich Angst?

Ist es die Angst, dass eventuell dem ein oder anderen meine Meinung negativ aufstößt und er mich dann „nicht mehr mag“? Doch seien wir mal ganz ehrlich zu uns selbst, auf sozialen Plattformen kennen und mögen sich die wenigsten tatsächlich wirklich. Ich rede hier primär von Freundschaften, so ganz klassisch, wie wir es aus unserer Kindheit kennen. So mit „wir gehen gemeinsam durch dick und dünn“ und wir würden uns auch außerhalb des Bildschirms, hinter dem wir kleben (oder manchmal auch verstecken), echt gern haben und etwas miteinander anfangen können. Auch mir ist rational bewusst, dass diese Plattformen der überwiegend rein oberflächlich angelegten Kontakte dient, vielleicht gar primär der eigenen „zur Schaustellung“ um Anerkennung für etwas zu bekommen, so unbedeutend es auch sein mag. Wir fühlen uns wohl, wenn wir wissen, dass da draußen vereinzelt Menschen existieren, die ähnlich fühlen, denken und leben wie wir. Doch was ist mit dem Rest? Was ist mit den Leuten die weniger Verständnis für unsere Vorlieben oder gar Ansichten haben, können wir uns mit ihnen auseinandersetzen oder besser gesagt, wollen wir das überhaupt?

Viele, insbesondere die privaten und in uns verborgenen, Päckchen, die wir tagtäglich mit uns herumschleppen und die uns bewegen, genau jene verbergen wir gern vor anderen, vor allem vor der Sorte Mensch, die diese eventuell sogar gegen uns verwenden könnten. Bei einigen Päckchen sind es vorangegangene Erfahrungen die uns sensibler oder gar angreifbarer gemacht haben. Jene Päckchen, uns nicht gleichgesinnten Fremden auf einem goldenen Teller servieren, damit er oder sie nochmal extra viel Salz drüber streuen können? Der Gedanke daran ist weniger befriedigend, vor allem, wenn wir weniger auf Konfrontation aus ist, als manch anderer.

Wenn wir uns diese Tatsache einmal anschauen, könnte man zu dem Entschluss kommen, dass es doch völlig egal ist, was jemand, den wir überhaupt nicht kennen, über uns denkt. Der Aussage stimme ich absolut zu. Wären da nur nicht die anderen. Die, die wir auch in der realen Welt kennen, außerhalb des Bildschirms, die, die wir jedoch nicht als erstes anrufen würden, wenn wir grad wieder einen furchtbaren Tag hatten oder denen wir nicht unbedingt die Päckchen der Vergangenheit zuwerfen wollen, damit sie die Sache für uns mal objektiv deuten sollen.

Je mehr ich in mich gehe, erkenne ich, dass zweiteres wohl eher mein Problem ist. Was könnten Menschen, die ich aus der „Offline-Welt“ kenne denken, wenn ich gewisse private Dinge über mich preisgebe, die ich tatsächlich nur preisgebe, weil ich mich in den Weiten der sozialen Medien irgendwie sicherer fühle, als in einem 4 Augengespräch. Ohje, welch absurde Aussage, Anonymität und Soziale Medien, ich weiß, aber es fühlt sich nunmal so an, da so allein hinter seinem Bildschirm. Kommentare oder gar blöde Nachrichten treffen einen irgendwie auch ins Herz, können jedoch gelöscht werden, doch im realen Leben jemandem gegenüber zu stehen, der Dank Social Media eine Menge über dich weiß, obwohl man es ihm oder ihr gar nicht persönlich erzählt hat, irgendwie ein seltsames Gefühl. Für mich um so seltsamer, da teilweise Menschen auf mich zukommen, die weder Instagram noch sonst was für eine soziale Plattform nutzen und interessanterweise bestens darüber bescheid wissen, wie ich die letzen Tage verbracht habe oder wie es meinen Kätzchen geht.

Natürlich ist mir bewusst, dass dies absolutes jammern auf hohem Niveau ist, es gibt bedeutend wichtigere Dinge im Leben, über die wir sprechen sollten, doch genau das ist der Punkt. Durch Ängste, sind wir gehemmt in dem, was wir tatsächlich aussprechen wollen. Mir ist zudem selbstverständlich bewusst, dass es keine Anonymität in den sozialen Medien gibt und das man „schließlich damit rechnen muss, dass Infos, die man öffentlich zur Schau stellt“, auch gern mal zerrissen oder mit bitter bösen Nachrichten kommentiert werden können. Ich denke jedoch, dass ist ein anderes Thema, worüber ich mich maßlos auslassen könnte, aber nun gut.

Um schlussendlich zu einer Entscheidung zu kommen, muss ich wohl oder übel noch einmal in mich gehen, aber einer Sache bin ich mir sicher, ich fühl mich grad um einiges wohler, weil ich es endlich niedergeschrieben habe und weil vielleicht der ein oder andere „Instahasi“ sich über eine ausführliche Rückmeldung meinerseits freut.

 

Juli ❤

 

Ps. weil mir die Zeilen nicht leicht fielen und doch irgendwie für mich persönlich emotional schwere Kost sind, anbei ein stimmungsaufhellendes Bild vom schlafenden Gerald, einfach wegen #Katzencontent und niedlich und so.

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3 Kommentare zu „Was lange währt, wird endlich gut! Oder?

  1. Nun, ein Tipp steckt doch schon in Text und Bild. Nicht wie die Maschine, der überaus lästige und laute (nun, Alternative: selber kehren, saugen…) Kehrapparat, denn wir sind doch keine Maschinen. Sondern wie die Katze. Die das „ganz entspannt im Hier und Jetzt“ nicht zitiert, sondern längst schon erfunden hat. Wenn es sie interessiert, geht sie ihrem Interesse nach und ermordet beispielsweise kurz mal den interessanten und seltenen Vogel, der sich auf die Terrasse verirrt hat. Egal, was wer dazu sagt. Wenn es sie nicht interessiert such sie sich einen angenehmen Platz und läßt die rasende Welt Welt sein. Gehen uns abwertende Kommentare was an? Ja nun, wir sind halt keine Apparate und keine Katzen – ja, sie treffen uns, sie tun weh, obwohl sie uns sowas von wurscht sein könnten. Aber das wären dann ja die anderen auch… Verzicht oder einfach weitermachen? Oder mehr wie die Katze sein?

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