Die Sache mit dem allein sein

Nach einem gefühlt ewig langen Arbeitstag komme ich nach Hause, füttere die Katzen und bereite mein Abendessen zu. Ich nehme einen Teller und eine Gabel aus dem Schrank, fläze mich auf die Couch und schmeiße Netflix an. Ich, Ende 20 und Single. Ich bin allein, doch fühle ich mich einsam?

Eine Frage über die sich der ein oder andere Single, viel zu häufig seinen Kopf zerbricht. Ab einem Gewissen Punkt im Leben, wünschen sich viele einen Partner, einen Seelenverwandten, jemanden der einen bedingungslos und hingebungsvoll liebt. Doch was, wenn wir so jemanden nicht an unserer Seite haben?

Wir Singles haben einige dieser Pärchen in unserem näheren Umfeld, die wir des Öfteren dafür beneiden, dass sie scheinbar einfach glücklich sind, weil sie zu zweit sind. Warum fühlen wir uns nicht glücklich? Können wir dies tatsächlich nur sein, wenn wir unsere vermeintlich „bessere Hälfte“ gefunden haben? Bin ich nur dann etwas wert, wenn ich von einem Partner geliebt werde?

Je älter wir werden, umso stärker wachst in uns der Wunsch nach dem Nestbau. Die einst geliebte Ungebundenheit und Sehnsucht nach Freiheit, weicht dem Gefühl, doch endlich angekommen zu sein, eine eigene Familie zu gründen und bedingungslos geliebt zu werden. Doch was passiert, wenn wir straff auf die 30 zugehen und weit und breit niemand in Sicht ist, der unser Leben vermeintlich vollkommen macht?

Ich kann euch sagen was passiert, rein gar nichts. Der Fehler liegt bereits bei der Annahme, Glück von einem Partner abhängig zu machen. Die Definition des Wortes Glück, lässt selbstverständlich unermesslichen Raum für Interpretation. Nochmal auf Anfang.

Du lebst dein Leben, mit all seinen Facetten, Hochs und Tiefs. Du umgibst dich mit Freunden und Familie und schaust auf Paare, die glücklich ihrer Familienplanung entgegen fiebern und fühlst dich mitunter dadurch schlecht? Warum? Woran liegt es? Beginnen wir an der Stelle, mit dem von mir so innig geliebten Thema der „Selbstreflektion“

Du denkst dir fehlt ein Partner an deiner Seite, um dein Sein zu optimieren? Das einzige, was dir tatsächlich fehlt, ist eine große Portion Selbstliebe. Liebe ist kein Gott gegebenes Geschenk. Es bedeutet Arbeit und zu allererst, Arbeit an dir selbst. Bist du nicht glücklich mit dir und liebst dich nicht selbst, kannst du auch niemand anderen bedingungslos lieben. Sich selbst du lieben bedeutet in erster Line, es mit selbst aushalten zu können. Du solltest damit anfangen, dir Zeit für dich einzuräumen und dich voll und ganz auf dich zu besinnen. Was tut mir gut? Was kann ich für mich tun, damit ich es mit mir aushalten kann? An dieser Stelle sei gesagt, es geht nicht darum, auf einem Stuhl in einem leeren Raum zu sitzen und ein riesiges Loch an die Wand zu starren. Fang damit an, die Kleinigkeiten zu sehen, die dich tagtäglich umgeben und die du vorher als selbstverständlich hingenommen hast. Wie fühlt es sich an, nach dem Aufstehen deinen Kaffee oder Tee zu trinken. Welche Musik lässt dein Herz tanzen und dich auf einer kleinen Wolke dahin schweben. Wofür bist du dankbar und was macht dir ein wohlig warmes Gefühl im Bauch. Beginne die Welt optimistisch zu betrachten.

Stell dich zuerst vor einen Spiegel, schaue hinein und sage dir selbst, was genau du an dir magst und wofür du dich sehr schätzt. Seh dich selbst als eine Vielzahl an Komponenten, die ein großes Ganzen ergeben. Bedenke an dieser Stelle, dass niemand, tatsächlich niemand auf dieser Erde perfekt und makellos ist. Finde Dinge an dir, die du toll oder auch weniger toll findest und fang an, sie zu lieben. Es bedarf viel Zeit und Geduld mit dir selbst, dich anzunehmen und dich zu lieben, genau so wie du bist. Du wirst merken, nach und nach wird sich mehr Gelassenheit und Selbstsicherheit einschleichen und auch dein Blick auf andere wird sich ändern. Gelassenheit, Wohlwollen und Geduld sind einer der grundlegenden Gefühle, die es Bedarf, um die Welt ein wenig besser zu sehen. Mit großer Sicherheit wirst du dies auch für andere empfinden können, also fang an, es für dich selbst zu empfinden. Eine Portion Humor, darf an dieser Stelle natürlich nicht fehlen. Ich spreche hierbei nicht von Sarkasmus, obwohl ich ihn liebe, ich meine vielmehr, dass du beginnen solltest mit mehr Humor die Dinge des Singlealltags zu beleuchten.

Du liegst allein auf deiner Couch oder im Bett und möchtest jemanden bei dir haben? Strecke alle viere von dir, mach dich so richtig schön breit und sage laut: „Gott sei Dank, mehr Platz für mich.“. Du hast allein zu Abend gegessen? Super, so musst du nur deinen Teller und dein Besteck abwaschen. Du sehnst dich danach, mit einem anderen Menschen zusammen zu leben? Hey, so hast du deinen Kleiderschrank ganz für dich allein und mehr Platz auf dem Wäscheständer. Du brauchst eine neue Couch? Großartig, du musst dich mit niemandem absprechen und einigen, also kauf dir die kitschige rosafarbene Couch. Dir ist heut nach Faulenzen und den ganzen Tag im Schlafanzug auf der Couch sitzen? Klasse, du musst das Haus nicht verlassen um bei den Schwiegereltern zu Mittag zu essen. Du sehnst dich danach, gemeinsam Abendessen zu kochen? Werf deine Lieblingsmusik an, hol deine kleinen Töpfe aus dem Schrank, die im übrigen platzsparender sind, als große Familientöpfe und koch drauf los.

Egal was du tust und dabei denkst, dass es zu zweit doch viel schöner wäre, finde eine Tatsache, die es schön macht, weil du allein bist und lache darüber.

Verschwende nicht deine wertvolle und kostbare Zeit damit, vergeblich nach einem Menschen zu suchen, der dich glücklich machen soll. Mach dich in erster Linie selbst glücklich und lass die Dinge auf dich zukommen. Ich schätze für jeden von uns, hat das Schicksal schon ein Buch angefertigt, indem unser Weg bereits festgelegt und niedergeschrieben ist. Lehn dich zurück und lass es auf dich zukommen. Ich bin der festen Überzeugung, dass alles, wirklich alles im Leben, aus einem gewissen Grund zu einem gewissen Zeitpunkt passiert. Erfreue dich deines Weges, liebe dich selbst und genieße dein Sein.

Du bist wundervoll, liebenswert und es ist großartig, dass es dich gibt.

Ps. Falls du immer noch davon überzeugt sein solltest, ein Wok zu sein und nie deinen Deckel zu finden, wirf ein Blick in die  „Amazon“-App, für jedes Gefäß gibt es mittlerweile einen tollen Deckel.

 

xoxo Juiii

14 Kommentare zu „Die Sache mit dem allein sein

  1. So eine schöne Frau mit solchen tiefen Augen wird niemals allein bleiben. Vielleicht in der Wohnung nach Feierabend, aber wo du auch hingehst, wo du auch sitzt auf ein Glas: Es werden schnell Menschen um dich sein. Allein dieses Lächeln, so schüchtern und doch so erwartungsvoll offen und authentisch. Tolle Tattoos: Ich fang erst an, hab erst zwei. Aber dafür Piercings. Die Liebe musst du nicht suchen: Du musst nur rausgehen mit ner Freundin oder alleine, aber vorsicht: In Berlin gibt es ein paar böse Ecken. Such dir ein Hobby mit anderen, tritt in nen Verein ein. Das Internetgeflirte hat zwar manchmal Erfolg, aber es stiehlt einem auch ne Menge realer Zeit. Dein Prinz klopft nicht an deine Wohnungstür, aber er sucht dich in den Straßen, in den Kaffees und Kneipen .. Du musst dich schon zeigen. Lieben Gruß, PP 🙂

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  2. Schon Ewigkeiten spreche ich darüber, daß ich der Meinung bin, das Leben sei längst als Buch für jeden einzelnen geschrieben. Und nun lese ich, das du es ähnlich siehst….Wahnsinn. es tut manchmal gut mit gewissen Ansichten nicht immer allein da zu stehen. Ansonsten bin ich gern allein. 😀

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  3. Ich kann dir grundsätzlich zustimmen. Man sollte dieses verkrampfte suchen einfach lassen, aber mit offenen Augen durch die Gegend gehen. Als ich kurzzeitig Single war, wurde mir erst mal klar, wieviel gutausdehende männer so rum laufen die einen beachten.
    Ich muss aber auch kritische Worte äußern: man darf den Zeitpunkt nicht verpassen, niemanden mehr in sein Leben lassen zu wollen, weil man sich eben eingerichtet hat und sich gar nicht mehr auf jemand anderen einstellen will. Das will ich dir schon mal gar nicht unterstellen, denn allein Altersmäßig bist du weeeeeiiiit davon entfernt und dazu kenne ich dich auch. Einfach nicht. Ich rede da nur allgemein, weil ich im kollegenkreis da doch die ein oder andere Kandidatin habe. Und na klar ist es auch alleine schön, aber zu zweit durchs Leben zu gehen eben auch.

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    1. Ich gebe jedem einzelnen es Wort, dass du schreibst, recht. Natürlich ist es wunderschön geliebt zu werden, jemanden zu haben der mit einem den Weg geht. Man sollte nur entspannter werden und die Dinge nicht erzwingen, denn die krampfhafte Suche führt nur schlussendlich zu Unmut. Jeder von uns sollte mit offenen Augen durch die Welt gehen und liebe zulassen. Ich appelliere an das naiv sein, an die Blauäugigkeit, an das leicht sein. Sich zurück zu ziehen und niemanden an sich heran zu lassen ist definitiv der falsche Weg. Danke für deine Worte ♥️

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  4. Oh Mann , das ist wirklich schön geschrieben in dir . Finde du hast vollkommen recht mit dem . Wir machen uns viel zu viel Gedanken was andere über uns und unser Leben denken und versuchen uns in gesellschaftliche Vorgaben zu zwängen, welche vorgelebt werden und veranschaulichen sollen, was das “perfekte” Leben sei .

    Es ist doch viel wichtiger , wie du eben auch schreibst , mit sich selbst im reinen zu sein und sich selbst und sein Leben zu leben und zu lieben und nicht zwanghaft nach jemandem zu suchen der dies für einen übernimmt .

    Bin auch der Meinung das es für jeden jemanden gibt, aber man es nicht erzwingen kann bzw. sollte . Dafür ist die Zeit die wir haben viel zu kostbar und man sollte sie für sich so nutzen, dass man das beste für sich rausholt .

    Irgendwann trifft man sicher jemanden der den Weg mit einem geht und man sich ergänzt .

    Übrigens sehr cool das du auch Sarkasmus magst. Geht doch nix darüber 🙂 .

    Danke für den tollen Beitrag . Hat mich in meiner Denkweise nur bestätigt und zeigt mir das auch andere Menschen so denken und leben .

    LG René

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  5. Single bin ich nun schon sehr, sehr lange nicht mehr. Aber seit die Kinder, ja, meine sind längst groß, mehr oder weniger gründlich ausgezogen sind sind wir doch mehr oder weniger alleiner – wie lautet die Steigerung? Doch nicht ganz allein. da sind wir und da sind die Tiere, wenn auch, eben auch wegen ausgezogener Kinder, selbst da nicht mehr so viele. Das wäre auch ein Thema, was da schon alles gekrochen, gelaufen, geflogen ist…
    Aber was ich eigentlich sagen will: gerade ich bin auch einer dieser Menschen, die Rückzugszeit, Stille, wenig, aber eigenen Raum brauchen… Wie oft habe ich mir bei kleinen Kindern und größeren Jugendlichen das gewünscht! Wie oft die oft schrille und vielstimmige Begrüßung vermaledeit… Wenn dann aber die Kinder weg waren, wenn Stille einkehrte, wenn Gelegenheit zur Besinnlichkeit war, ja, dann! Dann genoß ich sie. Für 5 Minuten. Vielleicht auch für eine Stunde. Um dann unruhig zu werden. Regelrecht zu suchen. Wo sind sie denn alle?
    Waren sie da, wünschte ich wieder Ruhe, friedvolle Stille, weniger äußeren Aufruhr. Ja, der Mensch ist ein seltsames Tier.
    Ich auf alle Fälle.

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    1. Ich fühle deine Worte regelrecht. Mitlerweile sind wir auch zu zweit, oder gar zu viert mit den Kätzchen. Sie sind kein Vergleich zu Kindern, jedoch kann ich deine paradoxen Gefühle nachvollziehen. Einfach mal durchatmen wäre schön, sodass niemand einem bis auf die Toilette folgt, doch so ganz ohne die zwei Jungs, wird mir selbst auch „langweilig“ und ich frage mich, wem ich meine Dosis an 5.000 Wörtern zukommen lassen kann. Hihi ♥️

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